Donnerstag, 12. September 2013

Monatshefte für Literatur Kunst und Wissenschaft – Neunter Jahrgang, Heft 2, August 1932

Monatshefte für Literatur Kunst und Wissenschaft August 1932

„Die allgemeine Entwicklung führt über Europa hinaus. Daß wir es einsehen, ist vielleicht schon ein Weg zur Gesundung. Wohl lieben wir es noch, dieses alte Europa, und auch kommende Geschlechter werden davon nicht abgehen. Doch es ist wie eine Jugendliebe: Sie ist eine schöne Erinnerung, aber keine Gefährtin für das Leben. Man denkt an sie nur noch in stillen Stunden und lächelt, nachsichtig mit sich selber und mit ihr, über frühere Gemeinsamkeiten.“

Werner Fuchs-Hartmann schreibt unseren Kontinent ab; siebzig Jahre vor den Demographen und amerikanischen Rating-Agenturen.

Was?

Der Verlag Die Buchgemeinschaft in Berlin-Kreuzberg war einer der über 40 Buchklubs, die in der kurzen Ära der Weimarer Republik aus dem Boden geschossen sind und ab Februar 1933 nach und nach auf Linie gebracht wurden. Neben den Büchern – beispielsweise Neuauflagen von Fontanes Der Stechlin oder auch von Tolstoi und Dostojewski – gab es eine Publikumszeitschrift. Diese hier.

Turnus

Wie der Name schon sagt …

Preis & Persistenz

Im beigelegten Prospekt ist die Rede davon, dass die Buchgemeinschaft im zehnten Jahr stehe und auch in der „jetzigen, schweren Zeit“ weiterhin einen Anstieg der Mitgliederzahlen verzeichne. Kein Wunder: Bei Anwerbung von neuen Mitgliedern bekam der Abonnement nämlich noch drei Kunstmappen nachgeschmissen. Kosten und Leistungen für Neumitglieder verrät das Kleingedruckte im Bestellschein:

Buchclub 1930 Monatshefte für Literatur Kunst und Wissenschaft

Erwerbsgeschichte

Mein Arbeitskollege Helge Kramer wohnt in Potsdam und zwar in einer Lage, die – wie er behauptet – „schon fast unverschämt gut“ sei. Neulich habe ich ihn besucht um mich von der Richtigkeit dieser Aussage überzeugen zu lassen.Vor der Abreise machte mich Alexander Sasse, gebürtiger Potsdamer, auf Joachim Blessings „Stadtbilderklärung“ aufmerksam. Er behauptet nämlich „Von Potsdam aus könnte Deutschland von seiner Nachkriegshässlichkeit geheilt werden.“

Dem darf man beipflichten. Helge und ich flanierten durch die Nachbarschaft, das heißt durch den Park Sancoussi und sprachen über Preußens Könige und eigene Projekte. Helge ist nämlich Grafiker und wir haben gemeinsam für den Leser einige coole Sachen gemacht von denen später noch mehr zu sehen sein wird (eine kleine Vorschau ist auf Helges Website möglich). Zum Abschied gab es noch ein Gastgeschenk für mich: Die Augustausgabe von 1932 der Monatshefte für Literatur Kunst und Wissenschaft. Gefunden wurde sie in der Grabbelkiste eines Antiquariats.

Inhalt

Die Novelle ‚Das Filmgesicht‘ von Alfred Hein hat mich ganz schön mitgenommen, als ich sie am Montagmorgen nach dem Potsdambesuch in der S-Bahn zur Arbeit las: Sie beginnt mit dem Abschied der Schauspielerin Annette Bach aus ihrer kleinen „Vaterstadt“ um mithilfe des großen Regisseurs Ralph Rooger in Hollywood groß raus zu kommen. Zurück lässt sie ihren Verlobten Horst Grisar, der die Landmaschinen AG von seinem Vater übernehmen will. Während Annette also in Amerika ein Star wird, sucht Horst etwas Trost bei Annettes weniger hübschen, aber bodenständigen und familiensinnigen Schwester Martha. Irgendwann kommt Annette aber zurück und will die Verlobung zu einer Ehe machen. Doch es entwickelt sich alles ganz anders als geplant …

Außerdem zu lesen: geschichtliche Abhandlungen über Tabakkonsum und des Tennisspiel, ein Bericht zu Bauernkeramik (anlässlich der Ausstellung Volkskunst, Hausfleiß und Handwerk im Hause Wertheim, Berlin), ein Porträt des alten Beethoven in der Sommerfrische in Mödling, der zweite Teil eines Fortsetzungsromans + mehr.

Haptik

die Monatshefte sind ungefähr DIN A 5 groß und mit Faden geheftet. Die altdeutschen Buchstaben sind so fest auf das Papier gedruckt, dass die Umrisse noch auf der Rückseite der Seite zu fühlen sind. Wenn man Frakturschrift nicht gewöhnt ist, liest man ja so lahm und stockend wie ein Legastheniker im zweiten Schuljahr. Die obligatorische Verwendung lateinischer Buchstaben bei nichtdeutschen Begriffen macht das ganze umso unnahbarer. Vor allem weil dieser typografische Taschenspielertrick im Monatsheft auch nicht in jedem Text angewandt wird. Es zeigt sich keine Verdunklung des Papiers an den äußeren Rändern.

Die Bebilderung ist reich, aber ausschließlich in schwarz-weiß (obwohl Farbabbildungen in Zeitschriften der 1930er Jahre schon machbar waren). Dafür sind die Aufnahmen scharf und detailreich. Sie zeigen uns Kairo ohne Plastikmüll und Stockholm ohne Verkaufsflächen globaler Einzelhandelsketten.

Zeitungshändler Kairo 1932

Altstadt Stockholm 1932

Kurioserweise musste ich bei der Luftaufnahme der schwedischen Hauptstadt an ein Familienerbstück denken. Neben einem Gürtel, einem Füller und einem Sommerhemd, das ich neulich mit dem Füller eingesaut habe, ist ein 24-teiliges Set von Kleinbildaufnahmen der Stadt Stockholm das wenige was mir nach dem Tod meines Großvaters mütterlicherseits zugefallen ist. In diesem Set gibt es auch eine Aufnahme der Insel Riddarholmen. Allerdings ist der Fotograf näher dran. So erkennt man das Wrangelsche Palais und die königliche Begräbniskirche etwas besser. Außerdem scheinen in dem Moment der Fotografie auch mehr Schiffe vor Anker zu liegen:

Altstadt Stockholm 1920er

Um diesen Rundflug komplett zu machen, sollte auf den Blick von der Säulenhalle des Stockholmer Rathauses auf die Altstadt nicht verzichtet werden (dieses Foto stammt nun wieder aus dem Monatsheft):

Säulenhalle Rathaus Stockholm 1932

Verdikt

Helges Fund in einer Grabbelkiste hat mich dazu veranlasst Familienerbstücke zu sichten und schnulzige Novellen zu lesen. Das kann man wohl nur Inspiration nennen. Inzwischen ist das Monatsheft durch mehrfaches aus dem Rucksack zerren so zerfleddert, dass ich trotz dieser Inspiration vorhatte, es in die Tonne zu kloppen. Helge will dann aber lieber sein Geschenk zurück, hat er gesagt.

Donnerstag, 05. Mai 2016

BLOCK – No. 2 (2015)

BLOCK Magazin 2
Donnerstag, 10. Februar 2011

APOTHEKEN Umschau – 1. Februar 2011

Apotheken Umschau Februar 2011
Freitag, 11. November 2011

SLANTED # 15 – Fall 2011

SLANTED magazin # 15 fall 2011
Montag, 17. Oktober 2011

Frankfurter Allgemeine Zeitung zur Buchmesse 2 – DONNERSTAG, 13. Oktober 2011

FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung zur Buchmesse 2 2011
Montag, 26. September 2011

MERKUR – Heft 4, 65. Jahrgang, April 2011

MERKUR Heft 4, 65. Jahrgang, April 2011
Donnerstag, 08. September 2011

FRIEDRICHsHAIN – 3/2011

Friedrichshain September 2011 Zeitschrift für Stadterneuerung
Donnerstag, 25. August 2011

Grand Royal # 2 – 1995-1996

Grand Royal Magazine Issue 2 1996
Montag, 25. April 2011

CONSOMMATION SPÉCIFIQUE – VITRIOL Part # 1 March 2011

CONSOMMATION SPÉCIFIQUE Magazin
Montag, 18. April 2011

TRUST – NR. 147/02 April/Mai 2011

TRUST Fanzine NR. 147 / 02 April / Mai 2011
Montag, 11. April 2011

Vontobel-Schriftenreihe 1760 – Im Irrgarten der Intelligenz

Vontobel Schriftenreihe Hans Magnus Enzensberger Im Irrgarten der Intelligenz
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