Donnerstag, 01. Oktober 2015

Freibeuter 43, März 1990

Freibeuter 43 März 1990

„Wo in Deutschland Volk ist, ist auch ein Feind nicht weit. Steht er nicht von allein lebensgroß vor der Tür, muß er eben zusammengesucht werden, damit es jemanden gibt, gegen den man sich ereifern kann. Die Ruhe ist hin, wenn das Wort auf der Zunge zu zergehen beginnt: Es verlangt danach, daß einem Feind ins Gesicht gespuckt werde. Es ist nicht dazu da, wie andere Wörter, eine Sache zu bezeichnen. Es ist ein Aufbruchssignal, das zum Sammeln ruft, vor allem gegen jene, die sich nicht hinter dem Wort Volk zu sammeln wünschen.“

– Anti-Deutschland erwache! Lothar Baier berichtet aus einer Epoche zwischen „Wir sind das Volk“ und „Deutschland den Deutschen“.

Was?

Der Wagenbach Verlag ist bekannt für schöne Bücher und den unverbesserlichen Optimismus des Gründers Klaus Wagenbach, der durch den Verkauf einer geerbten Wiese und mit Texten von Freunden wie Günter Grass und Ingeborg Bachmann seine ursprüngliche Idee eines Ost-West-Verlags zwar nicht lange beibehielt, aber trotzdem den Beginn einer langen Verlegerkarriere einleitete. Zwischendurch wurde es anstrengend: Texte von Ulrike Meinhof – während der Veröffentlichung nicht mehr konkret-Kolumnistin sondern bereits untergetauchte Terroristin – sorgten für einen der vier großen Prozesse gegen Wagenbach, der sich zeitgleich mit den Ansprüchen der Mitarbeiter nach einem Kollektivverlag konfrontiert sah. Klaus Wagenbach erinnert sich in der Dokumentation ‚Das Herz sitzt links‘:

„Die 70er Jahre sind wirklich sehr schwer zu beschreiben, weil so viele widersprüchliche Dinge passierten. Der letzte Prozess gegen mich endete ’77. Das war die bleierne Zeit. Es gab die Tode in Stammheim, die Entführung der Landshut. Ein schreckliches Jahr.“

Die Veröffentlichung von Pasolinis Freibeuterschriften bildeten 1978 eine Art Wendepunkt für den Verlag, der sich wirtschaftlich langsam erholte, mehr noch ideologisch: „Plötzlich ging die Tür auf, Italien trat ein und sagte Hallo!“ Es gab eine neue Abspaltung in der deutschen Linken, die der Toskana-Fraktion. Wagenbach veröffentlicht seitdem auch Camilleri-Krimis, literarische Reiseführer und Bände zur Kulturgeschichte der Renaissance. Auch eine Zeitschrift wurde gegründet, der Freibeuter.

Vermutete Zielgruppe

Der Freibeuter war eine neue Form der Anthologien, die schon vor Meinhof und Italien zum festen Bestandteil des Wagenbach-Programms gehörten. Der neuste Sammelband erschien 2014 zum 50jährigen Verlagsjubiläum. Im Blick zurück wird dem Gründer alles klar:

„[Es] hatte ja so ausgesehen, als zerfalle die Linke nur noch, in Eskapisten, Theoriefeinde, linkshaberische Planstelleninhaber. Wollte eine Zeitschrift demgegenüber ermutigend und anstiftend wirken, musste sie nicht nur manch säuberlich deutsch voneinander Getrenntes zusammenbringen, sondern auch außerhalb der deutschen Misere nach Argumenten und Heiterkeit suchen.“

Persistenz & Auflage

„Mit allem haben wir sofort in der ersten Nummer begonnen, was nicht nur objektiv ziemlich ungescheit war (der Freibeuter wurde ja in einer Periode allgemeinen Zeitschriftensterbens gegründet), sondern uns auch subjektiv öfters überforderte.“

Dieses Zeitschriftensterben hat der Freibeuter über 20 Jahre und immerhin 80 Ausgaben überstanden. 1999 war trotzdem Schluss. Einen Nachruf gibt Jörg Plath im März 1999 in der Berliner Zeitung:

„Das anfängliche Anliegen des 1979 gegründeten Freibeuters, die Linke aus der dogmatischen Ecke zurück in die politische und kulturelle Diskussion zu holen, ist heute tatsächlich überholt. Außerdem ist die Bedeutung von Zeitschriften gesunken.“

Der öffentliche intellektuelle Diskurs wanderte zum Teil in das Feuilleton ab; Wagenbach meint gar, er sei ganz verschwunden, weil die Bundesrepublik mit dem Ende der DDR ‚ihre Bremsen‘ verloren habe. (Das läßt allerdings an den Auflagenzahlen des Freibeuters zweifeln, die er mit 5.000 bis 18.000 angibt.)“

Ende der 1980er / Anfang der 1990er wurden vom Freibeuter noch 6.000 bis 8.000 Exemplare gedruckt. Das ergab eine Anfrage beim Verlag.

Preis

12.50 Mark

Erwerbsgeschichte

Ich habe das Vergnügen im Zuge meines Broterwerbs vierteljährlich alle inhabergeführten Buchhandlungen der Hauptstadt zu besuchen. Der Zauberberg, ein Eckbuchladen in Berlin-Friedenau, bot ein in das unterste Regalfach gestapeltes Konvolut des Freibeuters an.

Gerrit Schooff, der Mitbetreiber des Ladens, war verwundert über das Interesse. Ich sei in seiner Zeit der erste, der an den Freibeuter-Heften Interesse zeigte. Den Preis konnte man nur als symbolisch bezeichnen.

Doch es gab keinen besseren Ort, um den Freibeuter kaufen?

Wohl kaum!

In Friedenau, war in den 1960er die Dichte der bekannten Literaten zeitweilig enorm: Günter Grass lebte neben Uwe Jonhnson, Hans Magnus Enzensberger in der Nähe von Max Frisch. Anzutreffen waren sie auch in den Geschäftsflächen des Zauberberg, der damals noch Wolff’s Bücherei hieß und dem Vater von Klaus Wagenbachs erster Ehefrau Katharina Wagenbach-Wolff gehörte.

Inhalt

Die Grenze zweier Deutschländer wurde 1989 porös. Einige Monate nach der Maueröffnung erschien diese Freibeuter-Nummer. In den Texten kommen viele ostdeutsche Begriff- und Befindlichkeiten zur Sprache. Anna Gabrisch räumt auf mit dem Mythos des Leselands DDR. Heiner Müller verabschiedet den Erfahrungsdruck, „der in der DDR doch sehr viel größer war“.

Verdikt

Der spätere Verleger Matthias Oehme spitzt zu. Er benennt das Versagen der intellektuellen DDR-Elite bei dieser friedlichen Revolution. Dem widerspricht ein paar Seiten davor, wenn auch indirekt, der französische Historiker und Sozialwissenschaftler Pierre Nora in seiner Reflexion der Rolle des Intellektuellen und der Frage, ob der Intellektuelle eine sterbende Spezies sei. Er ist es nicht, meint Nora. Das hat er mit Zeitschriften gemein. Beides sind allerdings hoch wandelbare Spezien.

Dienstag, 20. Juni 2017

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