Samstag, 11. Februar 2017

ARCH+ Nr. 226, Herbst 2016

ARCH+ 226 Vietnam

„Als Reaktion auf diese Denkweise aus vergangenen, planwirtschaftlichen Zeiten mit ihrer extrem formalen Ordnung entdeckten und testeten viele Architekten die verschiedensten Architekturstilen. Erstmals investierten auch Privatpersonen und waren bereit, sogar funktional Unvernünftiges zu akzeptieren, um neuartige visuelle Eindrücke zu schaffen.“

- Truong Ngoc Lan über die 1990er Jahre

Was?

ARCH+, eine Zeitschrift für Architektur, Design und Städtebau, wurde 1967 von einer Gruppe StudentInnen an der Universität Stuttgart gegründet. Mentoren der jungen Herausgebergruppe waren unter anderem der Kommunikationswissenschaftler und Philosoph Vilém Flusser und Otl Aicher, der für die Münchener Olympiade 1972 die bis heute stilprägenden Piktogramme der einzelnen Sportarten entwickelte.

Die Lektüre marxistischer und poststrukturalistischer Theorie hatte genauso großen Anteil am Charakter von ARCH+, wie der kritische Umgang mit der Tatsache, dass Architektur und Bauplanung bis heute weitgehend von Männern dominiert wurde und wird. Bei ARCH+ waren Frauen zu allen Zeiten maßgebende Mitarbeiterinnen.

Das Plus hinter ARCH steht bis heute für die Vielfalt der behandelten Themen und multimedial realisierter Projekte.

Preis

Der Einzelheftpreis beträgt 22,- Euro. Damit bleibt ARCH+ weiterhin die günstigste Fachzeitschrift für Architektur und Bauen – zumindest, wenn man nach Quadratmeterpreis geht, wie es der Verlag im Aufruf zum Abonnement auf der letzten Seite tut.

Inhalt

Die vietnamesische Architektur, so schreibt Chefredakteur Anh-Linh Ngô im Editorial dieser Ausgabe, sei trotz diametralen politischen Entwicklungen und der daraus folgenden Isolation von der westlichen Welt bis in die 1990er Jahre von der europäischen Architekturgeschichte geprägt worden.

Welche Auswirkungen der Vietnamkrieg und die Teilung des Landes auf die Architektur hatten, zeigt der Beitrag des Architekturhistorikers Trương Ngọc Lân. Während der Internationale Stil sich im Süden entfalten konnte, prägt die sozialistische Architektur weitgehend den Norden. Mit Blick auf die historischen Ereignisse aus dieser Zeit erklärt Trương ausführlich anhand von Bildern, welche Faktoren zu diesen diametral entgegengesetzten Bewegungen geführt haben.

Trotz der Đổi-Mới Poltik, der vietnamesische Form der russischen Perestroijka, mangelt es den Architekten des Landes weiterhin an Möglichkeiten für einen internationalen Austausch. Das liegt zum einen an der Sprachbarriere, zum anderen an Reiseeinschränkungen. Auch deswegen ist für dieses Vietnam-Heft das Oberthema „Stille Avantgarde“ gewählt. Damit bezeichnet Chefredakteur Ngô eine Architekturbewegung der letzten fünfzehn Jahren, die inzwischen einen unverkennbaren Stil entwickelt hat.

Gerade weil es seit der Đổi Mới-Reform immer mehr Monster-Bauprojekte durch ausländische Investoren und Architekturbüros in Vietnam gibt – meistens sind esMuste Hotels oder Ressorts; der Tourismussektor im Land ist enorm gewachsen –, zeichnen sich die von ARCH+ vorgestellten Projekte aus, weil sie tatsächlich avantgardistisch sind in ihrer sozialen Bedeutung für die vietnamesische Gesellschaft, aber auch in ihrer Funktion, Farbigkeit und vor allem Stil.

Gemeinsam ist den Vertretern dieser Avantgarde das Interesse an der Geschichte ihres Landes und eine Rückbesinnung auf die damit zusammenhängende Bautradition. Sie greifen bewusst auf Materialien wie Schilf, Rattan oder Bambus zurück, die über Jahrhunderte die wichtigsten Baustoffe des Landes waren mit einer entsprechenden Bedeutung für die vietnamesische Kultur. Die Wahl dieser Materialien sind zugleich ein Musterbeispiel für nachhaltiges Bauen und Umweltverträglichkeit.

Einige Akteure der „Stillen Avantgarde“ Vietnams werden mit ihren Projekten vorgestellt. Zu ihnen zählt der Hanoier Architekt Hoàng Thúc Hào und sein Büro 1+1>2. Hoàng widmet sich seit Beginn seiner Karriere der sozialen Architektur. Soziales Bauen bedeutet für ihn der Bau von Community Houses und Schulen in abgelegenen Bergregionen, wo Infrastruktur fehlt.

Gewächshaus aus gebrauchten Plastikflaschen, 1+1>2 International Architecture JSC

Gewächshaus aus gebrauchten Plastikflaschen, 1+1>2 International Architecture JSC. Kosten: US$ 400

Wie Hào bei einer Veranstaltung in Berlin anlässlich der Erscheinung dieser Ausgabe von ARCH+ sagte, sind Gebäude nicht nur „Gehäuse, in die Menschen rein und rausgehen, sondern sie müssen sich darin wohl fühlen und ihr soziales Leben soll darin aufblühen“. Seine Gemeinschaftsgebäude sind der Versuch, einer Dorfgemeinschaft in Zeiten der Abwanderung, Landflucht und Globalisierung eine neue Identität zu geben und die Tradition des „Đình Làng“ (Gemeindehaus) zu beleben, bei dem es sich um einen Begegnungsort der BewohnerInnen handelt, der seine Bedeutung im modernen Vietnam langsam verliert.

Wie bei Hoàng Thúc Hào/1+1>2 sind auch die Entwürfe des Architekten Võ Trọng Nghĩa für öffentliche Gebäude, Schulen, Kindergärten oder private Wohnhäuser von der Idee einer Sustainable architecture (nachthaltigen Architektur) geprägt.

farming Kindergarten Ho-Chi-Minh-Stadt Vo Trong Nghia Architects

Ein Kindergarten für 500 Kinder in Ho-Chi-Minh-Stadt; Auf dem begrünten Dach des schlaufenartigen Gebäudes wird Gemüse zur Selbstversorgung angebaut. Vo Trong Nghia Architects, 2013

Der Architekt Lê Lương Ngọc arbeitet mit seinem Büro V-Architecture an einer vietnamesischen Ausprägung der Gentle architecture, in der die Menschen wieder näher an die Natur herangeführt werden, um „die Art und Weise zu verändern, wie sie diese wahrnehmen und mit ihr interagieren“.

Gentle House V-Architecure Vietnam

Gentle House, Hanoi. Wohnhaus und Büro von V-Architecture, 2012

Verdikt

Als Architekten und gebürtige Vietnamesen gehen Ngô und sein Team akribisch vor wie Exzerptoren. Der Leserschaft wird ein Architekturlandschaftsbild geboten, ohne dabei den Blick zu verlieren auf die Eigenheiten, Geschichte, Kulturen und Riten Vietnams, die eine zentrale Rolle in der Formsprache der einzelnen Projekte spielen.

Man darf sich freuen: Dieser Tage erscheint die zweite Ausgabe zum Themen-Schwerpunkt Vietnam mit dem Fokus auf intelligenten Umgang mit dem Klima.

Phuong Phan studiert an der Freien Universität Berlin und arbeitet am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der Humboldt-Universität zu Berlin.

Mittwoch, 18. Januar 2017

A-TOWN BUSTED – 8/15/16–9/1/16

Austin mugshot magazine
Dienstag, 22. November 2011

ramp SPECIAL.OPEL #1 – HERBST 2011 ECHT

ramp magazin Opel Special 2011
Donnerstag, 18. August 2011

24 SATA – 4.8. / 5.8.2011

24 SATA Jugoslawienkrieg
Montag, 22. August 2011

Фузион – Festval Guide 30.06. – 03.07.2011

Fusion Festival 2011 guide
Donnerstag, 01. September 2011

Cadde – Eylül 2011 – Sayı: 5

Cadde Berlin 2011
Montag, 19. September 2011

skiing – No. 54

skiing Magazin Product Special 2011
Montag, 26. September 2011

MERKUR – Heft 4, 65. Jahrgang, April 2011

MERKUR Heft 4, 65. Jahrgang, April 2011
Freitag, 30. September 2011

cos – autumn & winter 2011, forever modern

COS autumn winter 2011 forever modern catalog
Donnerstag, 06. Oktober 2011

Preußische Allgemeine Zeitung – Nr. 34, 1. Oktober 2011

Preußische Allgemeine Zeitung - Nr. 34, 1. Oktober 2011
Montag, 10. Oktober 2011

THE RED BULLETIN – OKTOBER 2011

The Red Bulletin Ken Roczen
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