Donnerstag, 13. Februar 2014

Newsweek – July 25, 1977

Newsweek Juli 1977 New York Blackout

"When the peasant wanted light, he built a fire from wood he gathered. Modern people flip switches, trusting that someone, somewhere, has done something that will let there be light. How many switch-flippers can say what really happens, in the flux of electrons, when a generator generates?"

Starreporter George F. Will in seinem Kommentar 'Shock of Recognition' auf der letzten Seite.

Was?

Die erste Ausgabe der Newsweek erschien am 17. Februar 1933 und hatte etwas verspätet eine Titelgeschichte über die Übergabe der Regierungsmacht an die NSDAP und ihrer Koalitionspartner vom 30. Januar. Mehr Politik als Sport, hinten ein Kulturteil und grundsätzlich ein breites Themenspektrum sind die kaum klar zu definierenden Erkennungsmerkmale dieses Nachrichtenmagazins.

Turnus & Persistenz & Auflage

Wer ein drastisches Beispiel amerikanischen Zeitungsterbens der späten 2000er und frühen 2010er nennen möchte, kann den Namen Newsweek fallen lassen. Ab 2007 trieb eine anhaltende Negativbilanz die Newsweek in die ökonomische Todeszone. Lagen die Gesamtverluste anfangs noch bei $ 6 Mio. hatten sie sich zwei Jahre später auf $ 56 Mio. erhöht. Die verbreitete Auflage sank in derselben Zeit von über 3,2 Mio. Exemplaren auf 1,6 Mio. Exemplare.

Auch der direkte Konkurrent TIME hatte zwischen 2007 und 2009 zu leiden. Durch die stabilen Abonnentenzahlen von gleichbleibend 3,2 Mio. Beziehern konnte der Verlust bei den Kioskverkäufen allerdings aufgefangen werden. Bei Newsweek kam es dagegen auch im Abovertrieb zum Erdrutsch: Die Anzahl der regelmäßigen Leser schmolz von knapp 3,1 Mio. im Jahr 2007 auf etwas mehr als 1,5 Mio im Jahr 2010.

Grund für diesen verlegerischen Super-GAU war und ist sicherlich die Transformation der Nachrichtenübermittlung vom gedruckten hin zur digitalen Verbreitung. 2007 kam das erste iPhone auf den Markt und machte die mobile, elektrifizierte Nachrichtenlektüre massentauglich. Doch auch zunehmende inhaltliche Schwächen von Newsweek werden als Grund für den Verlust an Lesern genannt. So sagte der ehemalige Fotograf Jim Colton, dass auch der Versuch Newsweek zu einem neuen New Yorker zu machen auf wenig Gegenliebe stieß. Viele Abonnenten die nicht in der Stadt leben hatten sich einfach nicht mehr von der Zeitschrift angesprochen gefühlt.

Der Titel Newsweek wurde in der Phase des Niedergangs mehrmals verkauft. In dem Zuge wurde auch die Anzahl der Mitarbeiter stark reduziert. Am 31. Dezember 2012 – fast genau 70 Jahre nach der ersten Nummer – erschien die letzte Druckausgabe der Newsweek. Seit März 2014 erscheint die gedruckte Ausgabe in einem neuen Verlag. In vielen Ländern bestehen noch die Lizenzausgaben.

Layout & Werbung

Es ist heutzutage etwas gewöhnungsbedürftig, zwischen der Werbung für harte Drogen ernsthaften Journalismus zu goutieren. Auf insgesamt 84 Seiten kommen 27 ganzseitige Anzeigen. Der Anteil von Werbung für Tabak- und Alkoholprodukte liegt bei zwölf Seiten, macht also 44 Prozent der einseitigen Anzeigen aus. Das ist üppig und bezeichnend für die fetten Jahre, welche die 1970er für den Zeitschriftenmarkt zweifelsohne waren.

Erwerbsgeschichte

Manchmal ist die eigene Gegenwart und der Ort an dem man lebt nicht ausreichend anregend oder die Gegenwart so voller betrüblicher Nachrichten, dass man sich eine Schreckensmeldung von gestern wünscht. Es ist so, als schaue man einen Horrorfilm, von dem man weiß, dass er gut ausgeht. Für diese Form von Eskapismus ist der unendliche Fundus des bekanntesten Internet-Auktionshaus gemacht. Alles geht vorbei und tatsächlich wird auch vieles gut. Das hätte man 1977 von New York sicher nicht gedacht.

Diskurs: New York City in den 1970ern

Neben Tokyo und Ciudad de Méxiko war die Metropolregion von New York City Mitte der 1970er der einzige Ballungsraum der Erde mit einer Einwohnerzahl im zweistelligen Millionenbereich. Inzwischen ist die Stadt in manchen Ranglisten der Weltstädte auf Platz 10 gerutscht (diese Listen legen aber äußerst unterschiedliche Maßstäbe an).

In dieser Zeit, also Mitte der 1970er Jahre, war New York City an seinem Tiefpunkt angelangt. Die Stadt galt als Inbegriff von schmieriger Dekadenz und als Sackgasse des amerikanischen Lebensmodells nach Watergate, Ölschock und verlorenem Vietnamkrieg. Die Stadtregierung war ein korrupter Machtapparat. Übermächtige Gewerkschaften diktierten die Politik. Die Industrie wanderte genauso ab wie zwischen 1970 und 1980 rund eine Million Einwohner, die das gefährliche, schmutzige Leben im Großstadtdschungel nicht mehr führen wollten. Damit hatte man immer weniger Steuergelder zur Verfügung.

Von diesem immer dünner werdenden Haushalt leistete man sich ein löchriges Frühverrentungssystem für Staatsbedienstete, kostenlosen Zugang zur Universität und einen üppigen Satz für Sozialleistungen.

Im Herbst 1975 gab der Interimspräsident und Nixon-Nachfolger Gerald Ford dem damaligen Regierenden Bürgermeister Abraham Beame die klare Absage einer staatlichen Unterstützung des total verschuldeten Haushalts von New York City. Amerika, so Ford, könne die Probleme der Stadt nicht in dem Maße mittragen wie es im Big Apple gefordert werde. Das mündete in der legendären Schlagzeile der New York Post: „Ford to City: Drop Dead.“ Genau das sollte knapp zwei Jahre später Wirklichkeit werden. Wenn auch nur für 26 Stunden.

Inhalt

In den Vereinigten Staaten haben Stromausfälle bis in das 21. Jahrhundert eine gewisse Normalität und der große Stromausfall vom 13. und 14. Juli 1977 war nicht der erste für die New York City. Im November 1965 legte ein Kälteeinbruch das überlastete Stromnetz an der gesamten amerikanischen Nordwestküste lahm. Der Legende nach gab es neun Monate später einen messbaren Geburtenanstieg an der Ostküste. Insgesamt wurde dieser Stromausfall aber zivilisiert überstanden. Schließlich war es auch zu kalt für Randale.

Im Vergleich dazu brach im Hochsommer von 1977 die Hölle los. Als es dunkel wurde gab es einen Karneval aus spontanen Straßenfesten, vor allem aber in Brooklyn, Harlem und Nord-Manhattan unzählige Plünderungen und Feuer. Nur zwei Morde wurden gezählt, aber 3.776 Menschen inhaftiert (1965 waren es gerade mal 96). Das waren so viele, dass kurzerhand das erst drei Jahre zuvor geschlossene ‚Tombs‘-Gefängnis in Lower Manhattan wieder geöffnet wurde.

Darüber berichtete die Newsweek in einer Sammlung von insgesamt sechs Artikeln, die sich atemlos, zugleich abgeklärt den Geschehnisse aus unterschiedlichen Richtungen nähern. Die Plünderungen, die Ursachen, die Kosten bekommen jeweils Ihren eigenen Text. Die leicht hektisch anmutende Sammlung von Fotos, Fakten und mal mehr, mal weniger voreilige Reflexion sind ein gutes Paket um einen Geschmack davon zu bekommen, was damals vor sich ging. Es ist egal, ob man das nun 11 Tage oder über 35 Jahre später liest.

New York Blackout 1977 Newsweek  New York Blackout 1977 looter in Brooklyn NewsweekNew York Blackout 1977 firemen Newsweek

Hinter dem umfangreichen „Special Color Report“ über den Stromausfall verblassen andere Beiträge dieser Newsweek-Ausgabe ein wenig. Milton Friedmans wirtschaftsphilosophische Kolumne ist sicherlich eine Erwähnung wert: Er wettert gegen staatlich alimentierte Jobs und plädiert für die Abwanderung industrieller Produktionsstätten in Regionen mit niedrigeren Lohnstückkosten. Was dazu wohl der New Yorker Bürgermeister dachte?

Verdikt

Die amerikanische Historikern Kimberly Philips-Fein schrieb kürzlich zu New York City: „Verglichen mir der heutigen, mit Geld vollgestopften und ökonomisch gespalteten Stadt, waren die trostlosen Siebziger eine Zeit der Möglichkeiten.“

Das mag zutreffen, auch wenn„Möglichkeiten“ für viele New Yorker bedeuteten, den Laden ihrer Brüder auszuräumen, sobald sich die Chance dafür zeigte. Immerhin: So kamen die Jugendlichen aus den düsteren Gegenden – das besagt eine andere schlecht nachprüfbare aber plausible Stromausfalls-Legende – an gutes HiFi-Equipment. Und mit dessen Hilfe wurde die gerade entstehende Blockparty-Szene zur HipHop-Bewegung. So war das im alten, bösen New York. Irgendwann wird es anders oder besser … oder heller. Zumindest für alle, die nicht untergehen wie gedruckte Nachrichtenmagazine.

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